Heike Becker, eine Frau mittleren Alters, sitzt mit einer Handpuppe auf einer Bank vor einem Schild mit der Aufschrift "Seniorenbetreuung mit Herz".
„Man weiß, wie man selbst behandelt werden möchte.“

Aus der Idee, die Betreuung für Demenzkranke zu optimieren, wurde die Seniorenbetreuung mit Herz – und Heike Becker ihre eigene Chefin. Menschen authentisch zu helfen, das ist Heike Becker und ihrem Team wichtig.

Seniorenbetreuung mit Herz: Authentische Zuwendung für Demenzkranke

Heike Becker

Wie einige unserer Geschichten basiert auch Heike Beckers auf persönlichen Erfahrungen bzw. einem persönlichen Erlebnis. Und wie alle unsere Gründerinnen und Gründer, die wir bislang kennengelernt haben, versprüht Heike Becker Optimismus, Gründungsgeist und neben Zielstrebigkeit auch eine gewisse Hartnäckigkeit. Heike Becker macht Mut, dass man auch nach Umbrüchen im Leben und nach langer nicht-selbstständiger Tätigkeit durchaus eine erfolgreiche Gründungsgeschichte schreiben kann – denn ihr Unternehmen, die Seniorenbetreuung mit Herz, wächst kontinuierlich. Hilfe hat Heike Becker bei ihrer Gründung vom Startcenter Recklinghausen bekommen. Neben der Unterstützung bei konkreten Aufgaben, wie dem Schreiben des eigenen Businessplans, waren es die Kontakte und Gespräche, die Frau Becker geholfen haben. Auch dabei, mit den eigenen Zweifeln umzugehen und aktuell trotz Corona ihren Weg positiv weiterzugehen.

„Man weiß, wie man selbst behandelt werden möchte – allerdings meist erst in späteren Jahren, so ab 50.“ Das sagt Heike Becker über ihre Motivation, eine Seniorenbetreuung mit Herz für Demenzkranke anzubieten.

Bis zum Jahr 2050 könnten 2,35 Millionen Menschen in Deutschland an Demenz erkranken – das sagt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (1). Das wäre ein Anstieg um eine Millionen im Vergleich zum Jahr 2018. Demenz ist dabei eng verknüpft mit dem Faktor Alter. Denn lediglich zwei Prozent der Demenzerkrankten sind unter 65 Jahre alt.

Aus der Arbeitslosigkeit in die Berufung

Heike Beckers Gründungsgeschichte begann damit, dass ihre Oma in ein Alten- und Pflegeheim kam. Dort erlebte sie Altern und die Krankheit Demenz. Sie entschied sich, eine Fortbildung zur Demenzbetreuerin zu machen. Praktische Erfahrung sammelte sie in dem Alten- und Pflegeheim bei der Oma. Als persönliche Umstände nach einer Trennung und dem Verlust des Jobs in einer Kfz-Werkstatt es ergaben, dass sich Heike Becker arbeitssuchend melden musste, setzte sie alles daran, eine Gründung aus der Arbeitslosigkeit zu schaffen – in dem Beruf, den sie heute ihre Berufung nennt.

Dabei hat das Startercenter Recklinghausen geholfen. Denn Zweifel begleiteten Heike Becker, ob sie es schaffen könne. Heike Becker besuchte die kostenlosen Gründungsseminare, lernte, einen Businessplan zu schreiben, holte sich Wissen für die Gründung selbst, schrieb ein Konzept zum Vertretungs- und Qualitätsmanagement und knüpfte Kontakte. Ihrer Hartnäckigkeit und dem Willen, es zu schaffen, verdankt Heike Becker, dass sie den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hat. „Auch ohne die 6-monatige Unterstützung der Bundesagentur für Arbeit hätte ich es gemacht. Dann eben mit meinem Ersparten.“

Heike Becker, eine Frau mittleren Alters, an ihrem Auto.

Am 1. März 2018 war es so weit: Heike Becker wurde ihre eigene Chefin und konnte bereits nach einer Woche und nur mit einigen Flyern als Marketingmaßnahme den ersten Kunden gewinnen. Was als One-Woman-Unternehmen begann, hat heute 22 Mitarbeitende – rekrutiert aus dem Bekanntenkreis und über Facebook. Dazu sagt Heike Becker: „Ich bin keine Chefin. Ich versuche, es immer allen recht zu machen.“ Menschen zu helfen, das ist Heike Becker wichtig – und zwar authentisch. Sie sagt: „Demenzkranke spüren es sehr genau, ob jemand es ehrlich meint mit ihnen.“

„Zurück bekomme ich viel Dankbarkeit und ein echtes Lächeln.”
Heike Becker

Ihr Sohn hilft bei allem, „was mit Computerarbeiten zu tun hat“ und bringt seine eigenen, jugendlicheren Ideen und Ansichten ein. Und vielleicht, irgendwann in der Zukunft, steigt er in ihr Unternehmen ein, hofft Heike Becker.

Mit ihrem Unternehmen setzt die Unternehmerin darauf, mit Demenzkranken Gedächtnistraining zu machen, Erkrankte im Alltag zu betreuen, auch mal ein Eis essen zu gehen und damit deren Lebensqualität zu steigern. Dafür braucht es bei ihr selbst und ihren Mitarbeitenden viel Menschenerfahrung und Empathie. Psychische Kraft ist gefragt, um mit der Einsamkeit der Menschen umzugehen, mit ihren Kriegserlebnissen, die sie loswerden wollen. „Schwierig ist es, Nein zu sagen. Wir wollen Zeit haben für unsere Kunden und Kundinnen. Es soll persönlich bleiben, nicht einfach nur ein Business.“ Zurück bekomme man viel Dankbarkeit und ein echtes Lächeln. „Und man lernt auch von den alten Menschen. Ich habe eine Kundin, die jede Woche eine Blume für sich kauft – und nun auch für mich. Das fand ich eine so schöne Geste, dass ich sie zukünftig beibehalten werde für mich selbst.“

Pläne für die Zukunft: Ein eigenes Büro und ein Seniorenstammtisch

Zukunft ist ein gutes Stichwort – denn dafür hat Heike Becker ganz konkrete Pläne: Zuerst soll ein Büro eingerichtet werden, damit das Unternehmen eine „echte“ Anlaufstelle hat. Außerdem möchte Heike Becker ein Gruppenangebot etablieren – einen Stammtisch für Senioren, mit Singen, Basteln, zum Kontakte-Knüpfen, damit sich die Senioren auch selbst zum Beispiel am Wochenende treffen können. Eine besondere Zielgruppe sind außerdem Männer.

Heike Becker, eine Frau mittleren Alters, sitzt mit einem Hund vor einem Schild mit der Aufschrift "Seniorenbetreuung mit Herz".

In Zeiten der Corona-Pandemie ist ihr Business nicht einfacher geworden. Kurz hat es ihr Angst gemacht, weil es einige Absagen von Kunden gab, gesteht Heike Becker. Doch „die Leute brauchen uns“. Es sind zwar mehr Vorschriften einzuhalten, die es anstrengender im Umgang machen mit den alten Leuten, aber man soll „seine Träume nie aufgeben. Risiken und Zweifel sind immer da. Ich merke aber, dass man zielstrebiger wird ab 50, wenn man älter wird. Das nutze ich.“

Zum Abschluss teilt Heike Becker noch einen Wunsch: „Pflegedienste werden im Rahmen der Wirtschaftsförderung und bei Digitalisierungshilfen bedacht. Wir, mit einem Betreuungsdienst, aber nicht. Wir fallen durchs Raster. Es ist mein Wunsch, den Betreuungsberuf bekannter zu machen.“


(1) Deutsche Alzheimer Gesellschaft; Statistisches Bundesamt, Juli 2020