Mirko Mollik sitzt vor einem Laptop
„Mein Team ist Gold wert.“

TrustCerts wurde August 2019 aus dem Institut für Internet-Sicherheit der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen gegründet. Das Unternehmen verspricht: „Mit TrustCerts können Sie Ihre digitalen Originale für alle Zeiten gegen Fälschungen und Betrug sichern.“

TrustCerts: Der digitale Notar schützt Online-Dokumente gegen Fälschung und Betrug

Mirko Mollik

#NeueGründerzeit Nordrhein-Westfalen sprach mit Gründer Mirko Mollik über Herausforderungen von Gründungen im IT-Bereich, den Mehrwert durch Vernetzung, Anschubfinanzierung und immer wieder Abwägen von einer Option A gegen eine Option B.

Mirko Mollik: Ich habe TrustCerts als Student gegründet. Denn ich habe ein Problem aufgedeckt, für das ich eine Lösung entwickeln konnte: Einerseits, weil ich mich im Rahmen meines Masterstudiengangs mit Fragen der IT-Sicherheit, aber auch mit Blockchain-Technologien auseinandergesetzt habe. Andererseits forciert durch die Nachrichten über Skandale in der IT-Datensicherheit. Ich wollte Unterlagen digital sicher machen gegen Fälschung und Betrug.

Ganz wichtig bei einer Gründung im IT-Umfeld war und ist für mich, dass man vom Problem des Kunden kommt. Was ist das Problem? Man muss das Problem genau verstehen und passgenau eine Lösung entwickeln. Sonst wird dem Kunden ein Problem aufgebunden, das er gar nicht hat. Mein erster Tipp an alle neuen Gründerinnen und Gründer: Zuerst kommt das Problem, dann die Lösung – nicht umgekehrt.

Mein erster Tipp an alle neuen Gründerinnen und Gründer: Zuerst kommt das Problem, dann die Lösung – nicht umgekehrt.
TrustCerts Gründer Mirko Mollik

Gründen aus dem Studium heraus: Ja, das ist eine Herausforderung!

Mirko Mollik: Da ich bei Gründung des Unternehmens selbst noch studiert habe, musste ich abwägen: Was geht vor – mein Studium oder ein Messebesuch für mein Unternehmen? Ich habe für mich einen Leitfaden entwickelt, nach dem ich entschieden habe: Klausuren gehen vor, Hausarbeiten nicht, da der Tag der Abgabe dynamischer ist. Gleichzeitig habe ich darauf geachtet, dass ich die Doppelbelastung mit viel Parallelarbeit im Griff behalte. Also auch wieder eine Abwägung: Ärmel hoch verbunden mit psychischem Stress versus Fokus auf meine Gesundheit. Eine gewisse Zeit kann man 150 Prozent geben, gerade in der Anfangsphase. Doch Gründen ist ein Marathon, weshalb ein gesunder Alltag auch für die Produktivität wichtig ist. Mein zweiter Tipp bzw. eher eine Erkenntnis ist: Man muss die Selbstständigkeit und die Kundenakquise wollen. Wenn man mich fragt, was man für eine Persönlichkeit als Gründer haben muss: Man muss Lösungen wollen. Man muss mit Herausforderungen umgehen wollen. Man muss es aber auch wollen, ständig abwägen zu müssen, schnell Entscheidungen zu treffen, keine Sicherheit dabei zu haben. Es könnte auch die falsche sein. Und man muss es sich selbst beweisen wollen.

Mirko Mollik sitzt an einem Schreibtisch

Neukunden-Akquise und der Wert von Beratern

Mirko Mollik: Insbesondere bei IT-Unternehmen gibt es das klassische Henne-Ei-Problem: Man ist ein junges Unternehmen, Kunden möchten aber Referenzkunden als Testimonial sehen – möglichst die ganz Großen der Branche, denn schließlich gibt dies ein Gefühl von Sicherheit. Ich habe deshalb entschieden, Anteile an meiner Firma abzugeben und meinen Professor und zwei Berater aus dem Start-up-Umfeld reinzuholen. Ich will wachsen und brauchte Kontakte. Die drei haben mir Türen geöffnet. Öffnen ist ohnehin ein gutes Stichwort und mein Tipp drei: Man muss sich öffnen als Gründer oder Gründerin – für Menschen, für Ideen und auch die eigenen Mitarbeiter.

Vernetzung als Chance

Mirko Mollik: Ich bringe technisches Know-how mit. Mir fehlte der gesamte Bereich ‚BWL‘ und ‚Marketing‘. Um mir dabei Unterstützung zu holen, musste ich zuerst einmal meine Probleme aufschreiben. Was genau brauche ich? Wer könnte mir helfen? Ich bin damit zuerst auf Freunde zugegangen und habe im Internet die gängigen NRW-Anlaufstellen besucht. Geholfen haben mir insbesondere Kontakte, die ich bei Gründungsveranstaltungen, beispielsweise beim ruhr:HUB geknüpft habe. Ich sage somit als Tipp vier: Vernetzen mit anderen, die ähnliche Herausforderungen hatten oder haben, aber vielleicht schon einen Schritt weiter sind, ist das Nonplusultra. Ich habe eine GmbH gegründet und stand dann vor der Frage: Okay, die erste Finanzierungsrunde – was kommt jetzt? Und danach? Und wie komme ich an Mitarbeitende? Um das, was mir an Know-how fehlt, in mein Unternehmen zu holen, habe ich mich öffnen müssen und Verantwortung abgeben müssen: Wir sind heute zwei Köpfe an der Spitze von TrustCerts. Auch das ist ein Tipp und schließt an obigen an: Keiner kann alles. Man sollte sich überwinden, Verantwortung abzugeben. Und gleichzeitig Vertrauen haben – in die Mitarbeiter, aber auch darin, dass die Dynamik in der Unternehmensentwicklung gut ist und zu einem positiven Ergebnis führen wird.

Ein Laptop an dem gecoded wird

Der ideale Standort

Mirko Mollik: Ich stamme aus Aachen, habe mich aber für das Studium in Gelsenkirchen entschieden. Das ist auch der ideale Standort für mein Unternehmen. Zuerst einmal: In meiner Branche kann man grundsätzlich von fast überall arbeiten. Die Corona-Epidemie hat dabei ihr Übriges an Überzeugung geleistet. Ein Büro braucht es dennoch: In Gelsenkirchen zahle ich weniger Miete als in den ‚Hype-Städten‘, ich finde das nötige Personal durch die Nähe zur Hochschule und es ist alles überschaubar, vernetzt. Deshalb mein Tipp fünf: Lieber auf die schicke Firmen-Adresse verzichten, dafür aber Fachkräfte haben, die einen unterstützen. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Gold wert. Wir gehen sehr offen miteinander um. Denn das braucht es: Meine Angestellten müssen sich ebenfalls mit dem Unternehmen identifizieren und lösungsorientiert am Erfolg mitarbeiten.

Lieber auf die schicke Firmen-Adresse verzichten, dafür aber Fachkräfte haben, die einen unterstützen. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Gold wert.
TrustCerts Gründer Mirko Mollik

Anschubfinanzierung: ein Gründerstipendium NRW hilft

Mirko Mollik: Natürlich brauchte ich auch Geld, um mein Unternehmen anzuschieben und mein Leben zu finanzieren. Ich habe mich für ein Gründerstipendium NRW entschieden. Die Unterstützung fällt zwar im Gegensatz zu Angeboten wie beispielsweise dem EXIST-Gründerstipendium geringer aus – man bekommt 1.000 Euro pro Monat –, dafür ist die Hürde aber auch geringer, es zu beantragen und zu bekommen. Mir hat das geholfen. Meine Unternehmens- und Unterhaltskosten konnte ich damit decken. Als nächsten Schritt hoffe ich darauf, durch den Nachweis entsprechender Kunden an Venture Capital zu kommen, damit ich mit dem Unternehmen zuerst national, vielleicht aber auch einmal international wachsen kann. Ich möchte somit mit Tipp sechs abschließen und sagen: Es gibt vom Bund und dem Land NRW sehr gute, aber auch grundverschiedene Finanzierungshilfen. Jeder Neu-Gründer bzw. jede Neu-Gründerin sollte genau schauen, was auf die eigene Situation passt. Für mich war das Günderstipendium NRW ideal.